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Diabolische Versuchungen

 Die große Predigt des Pater Bernardus

des polnischen Philosophen und Schriftstellers  
Leszek Kolakowski  

 in einer szenischen Performance mit
Verena Leitner und Rolf Gregor Seyfried

 

Regie: Sigrid Tschiedl
Orgel/Klavier: Nina Attorf  

 


DER TEUFEL ...


Er ist ein Verführer und Verderber, ein Spötter, Verhöhner und Zyniker,

voller Gier, Eigennutz und Berechnung, ein Verleugner jeglicher Werte,
ein unheimlicher Geselle, ein Bösewicht.
Einer, den man nicht unterschätzen sollte.


Stimmen aus dem Publikum


Teuflisch! 

Was ist es nun, das Böse? Der Autoverkäufer mit Comickrawatte, die gestrenge Lehrerin, die mit digitalem Tadelstock vorklopft, wie man leben soll? 

Rolf Gregor Seyfried und Verena Leitner beantworten diese Frage nicht, schicken die Kirchenbänkler durchaus verdutzt nach Hause. Aber genau darin liegt die Stärke ihrer szenischen Lesung: Unaufdringlich durchdringend schmettern sie uns große Fragen ins Gesicht, bewerfen uns so lange mit Schlammbällen, bis uns schwindlig wird. 

Die Schwarzweißwelt aus den Fugen zu heben, das ist wohl Leszek Kolakowskis wichtigster Anspruch. Sein Text ist Anklage und Lehrstück zugleich, fragt, ohne zu antworten, lässt damit Lösungsraum. Genau diese Spannung lassen Rolf Gregor Seyfried und Verena Leitner die Zuschauerinnen und Zuschauer schauderhaft spüren. Man schwankt zwischen Ertapptwerden und Drüberstehen, zwischen Abscheu (vor dem das allzu Weltlichen und Überdruss (kann man denn gar nichts richtig machen?). 

Begriffen habe ich: ja, der Teufel ist überall, er hat sich nur verkleidet. Seinen Schafspelz wälzt er allzu gerne im Gutmenschenbad. Er ist unseresgleichen und verführt mit perfiden Mitteln. 

Verführen, darin sind auch Rolf Gregor Seyfried und Verena Leitner MeisterInnen. Stimmgewaltig schimpfen und poltern sie (sogar von der Kanzel). Doch ehe man sich die Ohren zuhalten kann, wechseln sie hurtig den Stimmungsmodus, verführen einander (sogar in schwarzer Lackhose!). Ehe man im Schutze des Bekannten Zuflucht zu suchen, mal in Ruhe einzuatmen vermag, muss man prusten (vor Lachen). Hat er sich etwa auch in meiner Brust eingenistet?, will man dann ungeduldig wissen. 

Rolf Gregor Seyfried und Verena Leitner zündeln beständig (das innere Feuer an), von platter Kirchenkälte kann keine Rede sein. Eine kurzweilige Predigt, die lange nach-weilt. 

Sonja Gruber

–-

Was ist gut? Was ist böse?

Rolf Gregor Seyfried und Verena Leitner zelebrieren mit „Die große Predigt des Pater Bernardus“ von Leszek Kolakowski (Regie: Sigried Tschiedl) als szenische Lesung den Dualismus in vielfältiger Weise. 

In der Pfarrkriche Johannes-Nepomuk predigen Seyfried und Leitner der versammelten Pfarrgemeinde auf dass sie die Augen öffne, begreife und gewahr werde der immerwährenden jedoch verdrängten Anwesenheit des Bösen schlechthin: des Teufels. 

Gehüllt in schlichte Kostüme nehmen die beiden im Wechselspiel ihren Kampf auf, bis sie sich nach einem Sturm das Anflehens, der Aufrufe, Anrufungen und Drohungen im Delirium die Kleider von den Leibern reissen, um die darunterliegenden raffinierten, wollüstigen und chaotischen Schichten preiszugeben; das Böse macht vor niemandem Halt. Nachdem der Rausch endet und die Wogen sich glätten, kehren die beiden schlicht bekleidet vor den Altar zurück, um nach der Schlusspredigt das Kirchenvolk zu entlassen.

Nach der mitreissenden wie unterhaltsamen Performance von Seyfried und Leitner sind die Arglosen im Publikum noch länger mit diesen Fragen beschäftigt:

Was ist gut? Was ist böse? Was ist das Böse überhaupt?  

Katharina Hanz


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